Erwin Ebermann290
sozialen Umfeld (Verwandtschaft, Familie, Freundeskreis) zu rechnen sind,
sondern die ihnen als professionelle Beraterinnen gegenübersitzen.
Frage: Welche Arten von Problemen werden besonders angesprochen?
Fibel:In letzter Zeit zeigt sich, daß Angehörige afrikanisch-österreichischer
Ehen offenbar besonders häufig der sog. "Scheinehe" verdächtigt und dement-
sprechend kontrolliert werden. Solche Kontrollen werden von den betroffenen
Paaren immer als äußerst demütigend erlebt - auch wenn sie keinerlei darüber
hinausgehende Konsequenzen haben. Diese Scheinehenkontrollen sind nur ein
Beispiel von vielen behördlichen Diskriminierungen, von denen besonders An-
gehörige afrikanisch-österreichischer Partnerschaften betroffen sind. Letztes
Jahr haben wir im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts erhoben, durch wen
und auf welche Art und Weise bikulturelle Paare diskriminiert werden. Wir ha-
ben dabei auch etliche afrikanisch-österreichische Paare interviewt und sind auf
z.T. erschreckende Ergebnisse gekommen: Fast alle Afrikaner wurden ein- oder
mehrmals Opfer von polizeilichen Übergriffen, fast alle afrikanischen Partner
wurden - zumindest anfänglich - von der Herkunftsfamilie der österreichischen
Partnerin einzig und allein aufgrund ihrer Herkunft (und Hautfarbe) abgelehnt.
Das Mißtrauen und die Ablehnung durch die Schwiegerfamilien ist für die Be-
troffenen besonders schmerzhaft, solche Erfahrungen wurden uns aber auch
schon in den vergangenen Jahren immer wieder von Ratsuchenden und Teil-
nehmerInnen unserer Veranstaltungen zugetragen. Andere - partnerschaftsinter-
ne - Probleme beruhen unserer 8jährigen Beratungserfahrung zufolge darauf,
daß es über die Art und Weise, wie Menschen eine Ehe und eine Familie leben
sollen, bei afrikanisch-österreichischen Paaren oft sehr unterschiedliche Vorstel-
lungen und Erwartungen bestehen. Wir versuchen - wie bereits oben angespro-
chen - in solchen Fällen die kulturell geprägten Vorstellungen zu klären und
zwischen den Partnern zu vermitteln. Die Motive für das Aufsuchen der FIBEL
sind von Fall zu Fall verschieden: Manchen wird allein durchs Zuhören gehol-
fen, etwa weil sie sich vom eigenen sozialen Umfeld kein Verständnis erwarten
können, andere suchen konkrete Hilfe, welche Dokumente bspw. man für einen
Antrag auf ein Visum braucht,
Frage: Gibt es Probleme und Mißverständnisse, die häufiger bei
schwarz-weißen als bei anderen bikulturellen Paaren auftreten?
Fibel: Das betrifft besonders die offenbar kulturell sehr unterschiedlichen Ehe-
und Familienideale: Österreichische Frauen haben von ihren Eltern gelernt, daß
man im Idealfall quasi in "Symbiose" miteinander lebt. Dem liegt u.a. auch ein
typisch europäisch-westliches Liebesideal zugrunde. Darauf beruht z.B. auch
der Anspruch, einen Großteil der Freizeit miteinander zu verbringen. Sie verste-
hen nicht, warum ihrem afrikanischen Partner solche Bedürfnisse und Gewohn-
heiten eher fremd sind, weil sie eben eine andere Art von Familienleben vorge-
lebt bekommen haben. Es gibt offenbar auch Mißverständnisse in der Kommu-
nikation: Wir sind es gewöhnt, ein Gespräch, eine Konversation, mit einer Frage