Lebensbewältigung in Schwarz-Weiß
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mich rechtfertigen, Händchenhalten in Gesellschaft ist striktes Tabu, Gefühle
zeigen ebenso.
Nur wenn er bei mir zu Hause war konnten wir halbwegs ungestört
bleiben und nur dann hatte ich das Gefühl, daß er sich mir gegenüber etwas öff-
nete und mir mehr von seinem Wesen zeigte. Ich hatte ihn sehr gerne, ich emp-
fand ihn als einen herzensguten, weichen Menschen, der durch seine extrem
harte Kindheit in Nigeria (er mußte als siebenjähriger Halbwaise auf der Strasse
Plastiksackerln verkaufen) und dem schweren Existenzkampf den er, seit er sei-
ne Heimat mit 17 Jahren verlassen hat, nun alleine weiterführen mußte, zu ei-
nem Menschen mit einem unwahrscheinlich starken Willen wurde.
Meine Familie war natürlich äußerst neugierig auf den Mann, mit dem
ich nun schon seit einigen Monaten zusammen war und wollte meinen neuen
Freund unbedingt kennenlernen. Sie wußten, daß er ein Afrikaner war und es
schien kein großes Drama für sie zu sein.
Das erste Zusammentreffen mit John und meiner Familie war jedoch
eine Katastrophe: Wir saßen um den gemeinsamen sonntäglichem Mittags-
tisch, John im Mittelpunkt des Interesses. Meine Großmutter hatte aufgekocht,
typisch österreichische Speisen, die John scheinbar noch nie zuvor gesehen oder
gekostet hatte. Er fischte aus der Suppe einige für ihn eßbare Bestandteile her-
aus, verweigerte nach einmaligem Kosten den Salat und das Saftfleisch. Der
trockene Reis war das Einzige, was er hinunterzuwürgen vermochte. Meiner
Großmutter stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Mein Bruder, da-
mals 18, konnte seine Erheiterung nicht verbergen, als es offensichtlich wurde,
daß in Afrika die bei uns so gehuldigten Tischgebote "Gerade sitzen als hätte
man einen Besen verschluckt, Ellbogen so fest anlegen, daß man Telefonbücher
dazwischen klemmen könnten, Löffel zum Mund nicht Mund zum Löffel, Ell-
bogen nicht auf den Tisch, keine ausladenden Gesten mit der Gabel und einem
daraufgespießten Stück Fleisch, erst schlucken und dann sprechen,..." keine all-
zu grosse Bedeutung zu haben scheinen. Mein Stiefvater verdrehte die Augen
vor Entsetzen. Ich war bloß enttäuscht, da ich natürlich sofort wußte, daß meine
Familie sich ihre vernichtende Meinung bereits gebildet hatte, ohne sich die
Mühe zu machen, John als Mensch besser kennen zu lernen.
Nach dem Essen ging es erst richtig los: Mein Stiefvater fragte John,
ob er Mozart kennt, nein? Vielleicht Beethoven? Picasso? Shakespeare? und
kam dann endlich zum Schluß, daß die Afrikaner offensichtlich ein kulturloses
Volk seien. Ich wollte John unterstützen und wies darauf hin, daß Nigeria seine
eigene interessante Kultur habe. Man muß nur an die verschiedenen Mythen,
die Riten und nicht zuletzt die wunderschönen Lieder denken. Daraufhin bat
meine Mutter John, doch ein Liedchen aus der Heimat zu singen. John traute
sich nicht abzulehnen, stimmte eine Melodie an und hatte bald Tränen in den
Augen. Er unterbrach sich und sagte mit nach unten gekehrten Blick: "Sorry, if I