Erwin
Ebermann328 ZUM
SCHADEN DER SPOTT - WENN HILFE ZUR SELBSTHILFE WIRD Unsere
Bilder von Afrika werden auch durch die Menschen geprägt, die wir in
diesen Kontinent entsenden. Wir geben vor, vieles zu tun,
um Afrika zu „ent- wickeln“ und zeigen uns
enttäuscht, wenn unsere „Anstrengungen“ und finanzi- elle
Inputs keine Früchte tragen. Selten blicken wir im Westen auf unsere Mit-
verantwortung für das Scheitern der Projekte. Geben wir
wirklich unser Bestes? Je weiter wir in
den Hierarchien nach oben blicken, umso mehr muß man
das verneinen. Während auf der Ebene von kleinen NGOs im Entwick-
lungsbereich oft sehr viel Sorgfalt auf die Auswahl der
richtigen „Entwick- lungshelfer“ gelegt
wird, sind die Selektionskriterien bei den höherqualifizierten und
weit besser bezahlten Arbeitsplätzen oft zweifelhaft. Hier ringt eine Viel-
zahl von Interessenten um wenige freie Stellen, wobei
sich meist der mit den besseren Beziehungen
durchsetzt. „Afrika ist der Kontinent,
der sich nicht entwickelt.“, schreibt sogar die deutsche
entwicklungspolitische Zeitschrift E + Z (10/1992). Es ist eine weit-
verbreitete Meinung, die das Klischeebild der lernunfähigen
Menschen dieses Kontinents zu bestätigen
scheint. Viele Milliarden werden jährlich in den Bilan- zen
von Entwicklungsinstituten und –ministerien für die afrikanische Entwick-
lung verbucht, doch nur ein geringer Teil landet tatsächlich
in der Region. Äu- ßerst ansehnliche Gehälter
von hochbezahlten Entwicklungsexperten sowie Produktlieferungen
knabbern an den Milliarden. 80% der sogenannten Entwick- lungshilfegelder
fließen meist wieder in die Taschen der Geberländer zurück: für
die Gehälter der Experten (alleine ca. 60% der gesamten Mittel für Afrika),
Nahrungsmittel, Dienstleistungen und Ausrüstung
202 .
Nur ein Teil der Entwicklungshelfer wird so gut bezahlt.
Während die einfachen „Entwicklungshelfer“
nur geringe Summen erhalten (oft deutlich we- niger
als 1000 €/Monat), die kaum mehr als die Lebenshaltungskosten abdek-
ken, stecken Mitarbeiter der UNO, staatlicher und anderer
internationaler Orga- nisationen oft gewaltige
Beträge ein. NGOs, die staatliche Aufträge im Dienste der
Entwicklung übernehmen, erhalten pro Mitarbeiter einen Tagsatz von mehr
als 500 €. Da zahlt es sich durchaus aus, ein selbstloser
Helfer zu sein und er- klärt, warum viele
zu den attraktiven Futtertrögen drängen. Dort kann man nicht nur
viel Geld kassieren, sondern auch wertvolle Punkte für noch attraktivere Po-
sten bei internationalen Organisationen sammeln. Häufig
gehen bei der Beset- zung dieser Posten
jene unter, die schon vorher beträchtliche Erfahrung und En- 202
Vortrag
von George B.N. Ayittey am 13.4.1999 vor dem Afrika-Ausschuß des US-Parlaments.
‚A 1995
Foreign Aid study was conducted by the Freedom Support Coalition, chaired by former
Congressman
Dave Nagle noted that "80 percent of U.S. foreign aid is spent in the United States
buying
food, equipment, expertise and services&rdquo (The Washington Times, 13 October,
1995; A17).’
[…] ‘Similarly, "an estimated 80 percent of French aid to Africa comes back to
France
in salaries, orders, and profits&rdquo (Biddlecombe, 1994).’